Kurzbeschreibung:
- Als sich die BLS im Jahre 1907 entschloss, noch vor der Fertigstellung des im Bau befindlichen Lötschbergtunnels
den kurz zuvor von der damaligen SFB (Spiez-Frutigen-Bahn) übernommenen Streckenabschnitt Spiez-Frutigen als künftige
Nordzufahrt zur eigentlichen Bergstrecke zu elektrifizieren, musste sie auch die ersten Triebfahrzeuge für die neue
Betriebsart bei den Industriefirmen in Auftrag geben. Es wurden drei Triebwagen und zwei Lokomotiven bestellt. Bahnbrechend
war die der Auftragserteilung vorangegangene Wahl des Stromsystems mit Einphasen-Wechselstrom von 15'000 V und 15,
später 16 2/3 Hz. Damit konnten die Erfahrungen der MFO mit dem elektrischen Versuchsbetrieb der SBB-Strecke Seebach
- Wettingen erstmals praktisch verwertet werden.
- Der elektrische Betrieb auf der 13.5 km langen und im Maximum 15.5 ‰ ansteigenden Strecke wurde am 1. November
1910 offiziell für den Personenverkehr eröffnet, nachdem die zuerst gelieferten drei Triebwagen der damaligen Serie
Ce 2/4 Nrn. 781-783 während einiger Monate Probefahrten absolviert hatten.
- Von den vor allem für den Güterzugsdienst bestimmten beiden Lokomotiven kam als erste die C'-C'-Maschine Ce
6/6 Nr. 121 im Oktober 1910 zur Ablieferung und Erprobung. Erbauer waren die Firmen SLM für den mechanischen und
die MFO für den elektrischen Teil. Mit ihrer für die damalige Zeit sehr grossen und bis anhin noch von keinem elektrischen
Triebfahrzeug erreichten Stundenleistung von 2'000 PS fand die Lokomotive die einhellige Bewunderung der Fachwelt,
indem sie in der Lage war, einen Zug von 300 t Anhängelast auf 27 ‰ Steigung mit 40 km/h zu befördern, eine Traktionsleistung,
die im Dampfbetrieb nur mit mehreren Lokomotiven der damaligen Bauarten verwirklicht werden konnte.
Die Lokomotive war bis zur Eröffnung des Lötschbergtunnels vor allem im Güterzugsdienst zwischen Spiez und Frutigen
tätig. Nach der Betreibseröffnung der Bergstrecke dehnten sich die Einsätze der Lokomotive bis nach Brig aus, diese
wurden aber bald durch die neu gelieferten Maschinen der Serie Be 5/7 Nrn. 151-163 übernommen. Ab 1920 wurde die
Lokomotive vorwiegend auf der Strecke Thun - Interlaken eingesetzt.
- Nach dem Abschluss der Elektrifizierung der Bern-Neuenburg-Bahn BN wurde die Lokomotive im gleichen Jahr dieser
Bahnverwaltung verkauft. Anlässlich der letzten im Jahre 1959 erfolgten Erneuerung wurde von den beiden inzwischen
mit Doppelschleifstücken ausgerüsteten Stromabnehmer einer entfernt.
- Im September 1967 besiegelte ein Defekt an einem Motor das Schicksal der Lokomotive. Sie wurde bis im Juni 1968
noch mit einem betriebsfähigen Triebmotor für gelegentliche leichte Dienst verwendet, dann aber nach 57 Betriebsjahren
an ein Abbruchunternehmen zum Altmaterialpreis verkauft. Ein komplettes Drehgestell einschliesslich Motor konnte
für das Verkehrshaus der Schweiz in Luzern gerettet werden. Der hier erstmals verwendete SLM-Schrägstangenantrieb
hatte inzwischen auf den Rangierlokomotiven der SBB eine grosse Verbreitung gefunden.
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