Kurzbeschreibung:
- Auf den Seen im Berner Oberland wurde die Schifffahrt seit 1870 durch die «Vereinigte
Dampfschiffahrtsgesellschaft für den Thuner- und Brienzersee» (VDGTB) betrieben. Sie besass praktisch ein
Transportmonopol. Mit der 1861 eröffneten Eisenbahnlinie von Bern nach Scherzligen bei Thun nahm nicht nur die Zahl
der Reisenden sondern auch der Güterverkehr massiv zu.
- Am 7. August 1872 wurde die erste Teilstrecke der «Bödelibahn» (BB) von Därligen nach Interlaken-Zollhaus (heute
Interlaken Ost) eröffnet und zwei Jahre später die Verlängerung bis Bönigen am Brienzersee. Dies hatte zur Folge,
dass der obere Endpunkt der Thunersee-Schifffahrt vom rechtsufrigen Neuhaus nach dem gegenüberliegenden Därligen
verlegt wurde.
- Die Neugegründete Bahngesellschaft drängte die VDGTB zur Errichtung eines Trajektbetriebes zwischen Scherzligen
und Därligen. Die Verhandlungen zwischen den beiden eigentlichen Konkurrenten scheiterten jedoch, worauf die Bahn
kurzerhand selber ein Trajektschiff bestellte. Der von Escher Wyss erbaute Schraubendampfer BB I wurde bereits am
15. Oktober 1873 in Betrieb genommen. Auf dem einen Gleis konnten pro Fahrt vier bis fünf zweiachsige Güterwagen
befördert werden. Die 18 Kilometer lange Strecke wurde in einer Stunde und 40 Minuten zurückgelegt.
- Transportiert wurden in Richtung Interlaken vor allem Lebensmittel sowie Schlachtvieh, das nicht selten auch auf
angehängten Schleppschiffen verladen wurde. In der umgekehrten Richtung wurden etwa Erzeugnisse der Parkettfabrik
Interlaken oder von reichen Touristen erstandene grosse Holzskulpturen befördert. Insbesondere in den ersten Jahren
des Trajektbetriebes spielte der Transport von Grindelwaldner Gletschereis eine nicht unbedeutende Rolle.
- Schon bald genügte das recht kleine und ziemlich langsame Trajektschiff BB I nicht mehr, was 1886 zur
Inbetriebnahme des etwas grösseren und leistungsfähigeren Schiffes BB II führte.
- Als im Juni 1893 die Eisenbahnlinie entlang des Thunersees eröffnet wurde, mussten die beiden Trajektschiffe
sofort stillgelegt werden. Sie wurden in der Folge auf den Vierwaldstättersee verkauft, wobei BB I dort nicht in
Betrieb kam, sondern auf den Comersee weiterverkauft wurde. Von dort gelangte es später auf den Lago d'Iseo. 1896
wird BB II als DGV 2 von der Dampfschiffgesellschaft Vierwaldstättersee käuflich übernommen und in Betrieb genommen,
obschon der Trajektverkehr auf dem Vierwaldstättersee nie die Ausmasse des Verkehrs im Berner Oberland annimmt. Ende
Oktober 1920 wird der Betrieb eingestellt. DGV 1 wird 1923 an die Weser in Deutschland verkauft. DGV 2 dagegen
verbleibt vorerst bei der Schifffahrtsgesellschaft. Es wird auch weiterhin sporadisch für alle möglichen Transporte
oder Kabelverlegungen verwendet, ab 1932 unter dem neuen Eigner Seekag. Erst 1963/64 wird das Schiff komplett in ein
Diesel-Kiestransportschiff umgebaut. 1970 sinkt die Einheit, wird aber gehoben und abermals umgebaut. Unter dem
Namen Luzern verkehrt das in den Grundzügen aus dem Jahr 1886 stammende Schiff noch heute, gut erkennbar an der
Bugpartie.
- Von den beiden Thunersee-Schiffen sind bisher keine brauchbaren Fotos aufgetaucht. Das im Kapitel über den
Vierwaldstättersee gezeigte Trajektschiff DGV I entsprach jedoch weitgehend den Thunersee-Schiffen.
- Aus der Homepage Schiffe Schweiz (www.schiffe-schweiz.ch)
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