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Versuchsbetrieb Seebach - Wettingen
Die Technik


FZ von Thomas Brian


 

Geschichtlicher Überblick:

Versuchsstrecke Seebach - Wettingen

  • Im Oktober 1903 erste Versuchsfahrten auf dem Anschlussgleis der MFO bis zum Bahnhof Seebach.
  • Am 18.11.1904: Kollaudation(1) der offenen Strecke Seebach - Affoltern
  • Ab 16.01.1905 Regelmässige Versuchsfahrten.
  • Am 02.06.1906: Ganze Strecke Seebach - Regensdorf elektrifiziert.
  • Am 30.07.1907: Regensdorf - Wettingen elektrifiziert.
  • Am 01.12.1907: Fahrplanmässiger Verkehr auf der Strecke Seebach - Wettingen.
  • Am 04.07.1909: Ende des Versuchsbetriebes.
  • Am 09.10.1909: Schlusspunkt durch die SBB.

(1 Erprobung und Abnahme von Bauwerken und Anlagen. Der Begriff Kollaudation wird vorwiegend bei Eisenbahnlinien verwendet)


Rutenstromabnehmer

Versuchsstrecke Seebach - Wettingen

Die Fahrleitungsanlagen:

Von Seebach bis und mit Regensdorf wurde die "Rutenleitung", von km 29,7 westlich Regensdorf bis und mit Wettingen die "Bügelleitung" verwendet. Das Stromzuführungssystem mittels Kontaktrute war von Emil Huber-Stockar erdacht worden. Es zeichnete sich aus durch grosse Einfachheit und war daher relativ billig. Die Stromabnehmer auf dem Dach der Triebfahrzeuge waren leichte, schwach gebogene Messingschleifstücke, eben die "Ruten". Diese waren seitlich auf einem Rutenbock montiert und in einer Ebene quer zum Gleis um etwas mehr als 180° drehbar. Auf diese Weise konnte der Fahrdraht je nach seinem seitlichen Abstand von der Gleisachse von oben, vor der Seite und von unten bestrichen werden. Die Rute wurde dabei mit Federkraft an den Fahrdraht gedrückt. Als Fahrdraht diente ein Kupferdraht von 8 mm Durchmesser. Auf offener Strecke wurde der Fahrdraht meist von oben bestrichen. Zu diesem Zweck war er auf stehenden Isolatoren befestigt, welche direkt oben auf den Mastenenden oder auf kurzen Auslegern montiert wurden. Bei Niveauübergängen wurden verschiedene Sicherheitsmassnahmen geprüft. Der Fahrdraht lag dabei nur rund 4.5 m über der Schienenoberkante. Ein längeres Streckenstück war für seitliche Fahrdrahtbestreichung ausgeführt. Bei dieser Disposition war der Durchhang des Fahrdrahtes ohne Einfluss auf die Stromabnahme; sie war daher für höhere Geschwindigkeiten gedacht. In diesem Falle lag der Fahrdraht ca. 5.4 m über SOK. Bei dieser Höhe wurden bei Niveauübergängen keine besonderen Schutzmassnahmen als nötig erachtet. In Seebach war die Fahrleitung der Hauptgleise für ein Bestreichen von unten an Portalen in Gitterkonstruktion aufgehängt. Spätere Erweiterungen in Seebach wurden mit Einfachaufhängung und Querabspannung realisiert, jedoch weiterhin für das Bestreichen von unten. Die Stationsanlagen Affoltern und Regendorf waren für seitliches Bestreichen des Fahrdrahtes ausgeführt. Die Rutenfahrleitung konnte sich nicht durchsetzen. Dies vor allem deshalb, weil für Geschwindigkeiten über 50 km/h tatsächlich nur die vertikale Rutenstellung brauchbar war. Die Vielfachaufhängung mit Hilfstragdraht nach Patent SSW begann bei der Ausfahrt in Regensdorf und verlief noch auf etwa 400 m parallel zur Rutenleitung, um den Stromabnehmerwechsel bequem während der Fahrt vollziehen zu können. Sie endete nach Wettingen am Streckengleis Richtung Baden-Oberstadt unmittelbar vor der Limmatbrücke. Diese Fahrleitungsbauart glich schon sehr den später üblichen Ausführungsformen.

Am 1. Dezember 1907 erfolgte die Aufnahme des fahrplanmässigen Verkehrs auf der gesamten Strecke Seebach - Wettingen. Er endete endgültig am 3. Juli 1909. Ab dem 4. Juli 1909 herrschte für die nächsten 32 Jahre im Furttal wieder Dampfbetrieb. Am 9. Oktober 1909 setzte der Verwaltungsrat der SBB den Schlusspunkt, indem er mit 16 zu 10 Stimmen beschloss, der MFO eine Genugtuungssumme von 110'000 Franken auszurichten. Die Minderheit im Verwaltungsrat wollte mit der MFO zwecks Übernahme der Anlagen verhandeln. Die MFO hatte einen Kaufpreis von 366'000 Franken vorgeschlagen, welchem ihre Aufwendungen von über einer Million Franken gegenüberstanden. Begründet haben die SBB die ablehnende Haltung damit, dass jährliche Mehrkosten von 70'000 Franken entstehen würden (damals lagen die Kohlenpreise tief) und dass sich die Strecke für wünschbare Versuche mit schweren Lokomotiven und grossen Geschwindigkeiten ohne kostspielige Verstärkung von Unter- und Oberbau nicht eigne.

Rutenfahrleitung zur Bestreichung von oben; Fahrdraht ca. 4.5 m über Schienenoberkante
Rutenfahrleitung für die seitliche Bestreichung; Fahrdraht ca 5.4 m über Schienenoberkante
Rutenfahrleitung für Bestreichung von unten; Fahrdraht ca 5.8 m bis 6.0 m über Schienenoberkante. Im linken Bild ist der zusätzliche Fahrdraht für die Bestreichung von oben sichtbar, im rechten Bild der später montierte, schon fast modern anmutende "Scherenstromabnehmer"
Bahnhof Regensdorf mit Fahrdraht zur seitlichen Bestreichung Bahnhof Würenlos mit Fahrdraht zur Bestreichung von unten
Bahnhof Seebach mit Quertrag-Fachwerken Bahnhof Wettingen mit einfachen Quertragwerken